Inklusive Schule für den Primar- und Sekundarbereich in den Gemeinden Edewecht und Bad Zwischenahn und im Landkreis Ammerland

 

Die Astrid Lindgren Schule unterstützt als Sonderpädagogisches Förderzentrum die inklusive und wohnortnahe Beschulung aller Kinder und Jugendlichen. Inklusive Schulen ermöglichen  den Zugang und die Benutzung aller schulischen Einrichtungen und das selbstverständliche soziale Miteinander aller  Schülerinnen und Schüler. Unabhängig vom jeweiligen  Unterstützungsbedarf und den Schulischen Möglichkeiten geht Ihr Kind in die Schule  Ihrer Wahl in dem jeweiligen Einzugsbereich. Inklusive Schulen sind im Ammerland alle Grundschulen, Hauptschulen Realschulen, Oberschulen, Gymnasien und Förderschulen

 

 

Regionales Konzept für die Inklusive Schule der Region Edewecht/Bad Zwischenahn

1. Rechtliche Vorgaben und Bezugsquellen

Niedersächsisches Schulgesetz vom 19.06.2013 § 4 inklusive Schule
und § 14 Förderschule

Wachtel, Peter, Waje, Marie-Christina: Zur Realisierung der inklusivern Schule in Niedersachsen
SVBl  7/2013 S. 277 – 285

Niedersächsischer Kultusminister (Hrsg.):
Klassenbildung und Lehrerstundenzuweisung an den allgemeinbildenden Schulen
Rd.Erl. d.MK v. 07.05.2013

Niedersächsischer Kultusministerium (Hrsg.):
Inklusive Schule in Niedersachsen. Informationen für Eltern, Schülerinnen und Schüler. Hannover: 2012

Niedersächsischer Kultusminister (Hrsg.):
Sonderpädagogische Förderung. Rd.Erl.d.MK v. 01.02.2005
    
Steuergruppe Regionales Integrationskonzept:
Die Sonderpädagogische Grundversorgung in der Region Edewecht/Bad Zwischenahn. Grundsätze zur Zusammenarbeit. Edewecht 2012.

2. Vorbemerkungen

Der gemeinsame Unterricht von Schülerinnen und Schülern mit und ohne sonder-pädagogischem Unterstützungsbedarf ist seit der Novellierung des Niedersächsischen Schulgesetzes  in § 4 Inklusive Schule verankert:

„ (1) Die öffentlichen Schulen sind inklusive Schulen. Sie ermöglichen allen Schüler-innen und Schülern einen barrierefreien und gleichberechtigten Zugang.

(2) In den öffentlichen Schulen werden Schülerinnen und Schüler mit ohne Behinderung gemeinsam erzogen und unterrichtet, …. . Ein Bedarf an sonderpädagogischer Unterstützung kann in den Förderschwerpunkten Lernen, emotionale und soziale Entwicklung, Sprache, geistige Entwicklung, körperliche und motorische Entwicklung, Sehen und Hören festgestellt werden“.

Die Umsetzung der inklusiven Schule soll durch die sonderpädagogische Unterstützung der allgemeinen Schulen gewährleistet werden, mit der die individuell zu gestaltenden förderlichen Entwicklungsbedingungen der Schülerinnen und Schüler ermöglicht werden.

3. Ziele

Das Regionale Konzept Inklusive Schule für den Bereich Ammerland, Gemeinden Edewecht / Bad Zwischenahn, hat zum Ziel, die Schülerinnen und Schüler in dieser Region entsprechend ihrer Fähigkeiten und Fertigkeiten in den für sie zuständigen Schulen zu unterrichten und zu fördern.

Der inklusive Unterricht verfolgt folgende Ziele:

    • Entwicklung von Kenntnissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten in allen Kompetenzbereichen.
    • Unterstützung der Werteorientierung.
    • Selbstverantwortliche Lebensgestaltung zur Wahrnehmung von Rechten und Pflichten in der Gesellschaft.


4. Zur Ausgangslage

4.1 Allgemein

In der Region Ammerland, den Gemeinden Edewecht und Bad Zwischenahn finden sich folgende Schulen: 9 Grundschulen, eine Grund- und Oberschule, eine Oberschule, eine Hauptschule, eine Realschule, ein Gymnasium und die Astrid-Lindgren-Schule. Für Schülerinnen und Schüler mit dem Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung ist die Astrid Lindgren- Schule Sonderpädagogisches Förderzentrum für das gesamte Ammerland.


4.2 Sonderpädagogische Maßnahmen

Nach Vorgabe des Erlasses Klassenbildung und Lehrerstundenzuweisung an den allgemeinbildenden Schulen (Rd.Erl.d. MK v. 7.5.2013) gibt es folgende Vorgaben:

    • Jede Grundschulklasse erhält 2,0 Förderschullehrerstunden als Sonderpädagogische Grundversorgung
    • Aufsteigend ab dem Schuljahr 2013/14 erhalten die Schülerinnen und Schüler zusätzlich neben der Sonderpädagogischen Grundversorgung als sog. „Rucksackstunden“ in den Schwerpunkten
      Geistige Entwicklung........................................................5,0 Unterrichtsstunden
      Lernen ab 5. Schuljahr.....................................................3,0 Unterrichtsstunden
      Sprache ab 5. Schuljahr...................................................3,0 Unterrichtsstunden
      Emotionale und Soziale Entwicklung ab 5. Schuljahr............3,5 Unterrichtsstunden
      Körperliche und Motorische Entwicklung (bis 4. Schulj.).......3,0 Unterrichtsstunden
      Körperliche und Motorische Entwicklung (ab 5. Schulj.)........4,0 Unterrichtsstunden

Falls es die Unterrichtsversorgung zulässt wird der Zusatzbedarf, der auch als „Rucksackstunden“ bezeichnet wird von Förderschullehrerkräften zur Verfügung gestellt.


5. Die Arbeit in der inklusiven Schule

5.1 Vorbemerkung

Die inklusive Schule setzt ein Umdenken aller Lehrkräfte voraus. Grundsätzlich sind alle Unterrichtsinhalte in einem hohen Maße differenziert anzubieten. Damit ergibt sich die Situation, dass in einem Unterricht Kompetenzen von unterschiedlichen Niveaustufen erzielt werden.

5.2 Grundsätzliches Vorgehen

Beeinträchtigungen in den Schwerpunkten Lernen, Sprache und Emotionale und Soziale Entwicklung sollen vor Ort präventiv und individuell begenet werden.

Die an den Schulen eingesetzten Förderschullehrkräfte sichern durch Formen inklusiver Begleitung und Förderung den gemeinsamen Unterricht der Schülerinnen und Schüler mit Beeinträchtigungen. Die sonderpädagogische Diagnostik bezieht sich auf eine inklusionsorientierte Diagnostik. (Siehe Pkt. 5.3)
Die Grundschulen erstellen für die präventive sowie sonderpädagogische Arbeit in Zusammenarbeit mit den vom Förderzentrum zugewiesenen Lehrkräften ein schulspezifisches Förderkonzept und individuelle Förderpläne.

Die Verantwortung für die einzelnen Schülerinnen und Schüler bleibt bei der zuständigen Schule und der zuständigen Klassenleitung. Die Förderung wird im engen Zusammenwirken der Lehrkräfte der Grundschule und der abgeordneten Förderschullehrkräfte unter  Einbeziehung der Erziehungsberechtigten verwirklicht und gegebenenfalls mit außerschulischen Einrichtungen, Fachkräften und Beratungsdiensten abgestimmt.

Für alle beteiligten Lehrkräfte wird im Sonderpädagogischen Förderzentrum ein intensiver Austausch in der Steuergruppe Regionales Integrationskonzept zur Verfügung gestellt, der mindestens einmal pro Halbjahr in der Astrid-Lindgren-Schule vorbereitet, durchgeführt und evaluiert wird. Die Schulleitungen halten intensiven Kontakt über die bestehenden Schulverbünde Edewecht und Bad Zwischenahn.

5.3 Die Zusammenarbeit der Lehrkräfte

Die Steuergruppe Regionales Integrationskonzept hat folgende Grundsätze für die Zusammenarbeit erarbeitet:

„Als übergeordnete Prinzipien sind vor allem zu beachten:

    • Soweit wie möglich erfolgt die Förderung vorrangig gemeinsam mit der Regelschullehrkraft im Grundschulunterricht. Von nachgeordnetem Stellenwert ist die Einzel- und Gruppenförderung in separaten Räumen.
    • Sonderpädagogische Förderung beschränkt sich nicht nur auf die Arbeit mit dem Schüler oder der Schülerin, sondern schließt die Beratung und Kooperation mit allen an der Arbeit mit dem Kind Beteiligten mit ein.
    • Die präventive Arbeit, insbesondere zum Schulanfang, hat einen hohen Stellenwert. Hier können die Stunden gebündelt eingesetzt werden.

Aufgaben der Förderschullehrkräfte

Die Förderschullehrkräfte arbeiten im Sinne aller Förderschwerpunkte. Besondere Unterstützung erfährt die Arbeit durch die Mobilen Dienste, Emotionale und Soziale Entwicklung, Körperliche und Motorische Entwicklung, Hören und Sehen.
Folgende Aufgaben ergeben sich:

    • Unterstützung bei den Basiskompetenzen in den Lehrgängen
    • Vermittlung von Lern -  und Arbeitsstrategien
    • Entwicklung von Maßnahmen zur Aufmerksamkeitssteuerung und
    • Entwicklung im Umgang mit Regeln
    • Training in der kommunikativen Kompetenz ( Wortschatz, Aussprache, Grammatik, Sprachverständnis)
    • Gezielte Lernbeobachtung und Lernstandsdiagnostik
    • Gemeinsame Erstellung eines Förderkonzeptes
    • Individuelle Förderpläne und differenzierende Unterrichtsmaterialien
    • Individuelle Lernleistungsbeurteilungen / Nachteilsausgleich
    • Unterrichtsbegleitung im Sinne innerer Differenzierung, Team-Teaching
    • begründete räumliche Differenzierung oder individuelle Förderkurse


Gemeinsame Aufgaben von der Regelschulkraft und Förderschullehrkraft

    • Zusammenarbeit in Pädagogischen Konferenzen/ Teambesprechungen
    • Zusammenarbeit in Zeugniskonferenzen
    • Förderpläne und Arbeitspläne erstellen und reflektieren
    • Unterrichtsmaterialien auswählen und zusammenstellen
    • Abfassung von Berichten und Fördergutachten
    • Ausarbeitung von Schullaufbahnempfehlungen
    • Beratung und Besprechung mit Eltern Absprachen zur Umsetzung von Maßnahmen zum Nachteilsausgleich“
      (Edewecht 2012)

Anforderungen an eine inklusionsorientierte Diagnostik

Die Arbeit in der inklusiven Schule erfordert eine Veränderung in der diagnostischen Arbeit:

    • Prozessdiagnostik statt Statusdiagnostik
    • Diagnosegeleitete Auswahl nächster Lernschritte
    • Wertschätzung von Heterogenität
    • Analyse und Gestaltung von Umfeldbedingungen
    • Mitwirkung der Schülerin und des Schülers am diagnostischem Prozess
    • Stärkung der Schülerin und des Schülers zur Fähigkeit der Selbstdiagnostik
    • Verstärkte Einbeziehung der Eltern- und Erziehungsberechtigten
    • Einrichtung multidisziplinärer Diagnostik-Teams

6. Kooperationsklassen

Seit dem Schuljahr 2005/06 sind drei Klassen mit dem Schwerpunkt Geistige Entwicklung als Kooperationsklassen an der Grundschule Edewecht eingerichtet worden. Die Klassen im Primarbereich unterhalten intensive Kontakte zu den Grundschulklassen. Dabei entstehen wechselseitige Kontakte, ein selbstverständlicher Umgang miteinander und gemeinsame Unterrichtssituationen als eine Erweiterung der inklusiven Schullandschaft.

7. Mobile Dienste

Schülerinnen und Schüler, die Beeinträchtigungen in ihrer emotionalen und sozialen Entwicklung, ihrer körperlichen und motorischen Entwicklung oder die eine Sinnesschädigung im Sehen und Hören haben, erhalten auf Antrag eine sonderpädagogische Förderung durch den Mobilen Dienst. Die Astrid-Lindgren-Schule bietet den Mobilen Dienst, Emotionale und Soziale Entwicklung an, die Schule am Borchersweg den Mobilen Dienst Körperlich-motorische Entwicklung und Sehen, und das Landesbildungszentrum den Mobilen Dienst Hören.

Die Förderschullehrkräfte im Mobilen Dienst ES stützen und ergänzen die Förderung im Sinne von Prävention und Intervention in den allgemeinen Schulen. Voraussetzung für die Arbeit ist eine enge Zusammenarbeit mit den jeweiligen Lehrkräften, den Eltern und Erziehungsberechtigten und den Fachkräften und Beratungsdiensten außerhalb der Schule.

Die Aufgabe des Mobilen Dienstes sind:

    • Beratung und Unterstützung der Lehrkräfte
    • Beratung und Unterstützung der Schülerinnen und Schüler
    • Beratung zur Gewährung des Nachteilausgleichs
    • Beratung in Bezug auf das classroom-management
    • Beratung der Erziehungsberechtigten im Sinne der Co-Teachings
    • Mitwirkung beim Verfahren zur Feststellung des sonderpädagogischen Unterstützungsbedarfs und der Erstellung der Förderpläne

8. Die Arbeit des Sonderpädagogischen Förderzentrums der Astrid-Lindgren-Schule

Als sonderpädagogisches Förderzentrum unterstützt die Astrid-Lindgren-Schule alle inklusiven Schulen in den Gemeinden Edewecht, Bad Zwischenahn und dem Landkreis Ammerland
Als Aufgaben gelten:

    • Koordinierung der sonderpädagogischen Unterstützung, in den allgemeinen Schulen, die von Förderschullehrkräften und Pädagogischen Mitarbeiter/innen geleistet wird.
    • Beratung der Schulleitungen aller allgemeinen Schulen
    • Mitwirkung beim Verfahren zur Feststellung des sonderpädagogischen Unterstützungsbedarfs
    • Durchführung von Dienstbesprechungen und Organisation von Fortbildungen für die Förderschullehrkräfte
    • Steuerung der Qualitätsentwicklung und Erstellung von Konzepten der sonderpädagogischen Förderung in den inklusiven Schulen
    • Unterricht und Erziehung von Schülerinnen und Schülern mit sonderpädagogischen Unterstützungsbedarf

       


 Zusammenarbeit  nach §25 des Niedersächsischen Schulgesetzes der Astrid Lindgren Schule und der Grundschule Edewecht

 

 

1. Kooperationsklassen

Die Astrid Lindgren Schule richtete zum Schuljahr 2005/2006 drei Klassen der Förderschule mit dem Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung an der Grundschule Edewecht ein. Die Klassen waren Kooperationsklassen im Rahmen des Regionalen Integrationskonzeptes.
Nach der Einführung der Inklusiven Schule in 20013/14 bestehen diese Kooperationsklassen fort.

 

2. Amtliche Vorgaben

  • Nieders. Schulgesetz:
    §4 Inklusive Schule; § 25 Kooperation von Schulen
  • Die Arbeit in der Grundschule
    Erl. d. MK vom 03.02.2004
  • Sonderpädagogische Förderung
    Erl. d. Mk vom 01.02.2005
  • Wachtel, Peter; Waje, Marie-Christina: Zur Realisierung der inklusiven Schule in Niedersachsen, SVBL 7/2013, S. 277-285

 

3. Ziele der Zusammenarbeit

Für die Grundschülerinnen und Grundschüler

  • Das Zusammenleben von Schülerinnen und Schülern mit und ohne sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf wird gefördert
  • Das Erlernen von sozialen Kompetenzen im Umgang mit Vielfalt und Anderssein wird in freien Situationen aber auch gelenkten Unterrichtssituation zielorientiert gefördert
  • Das Erweitern schulischer Erfahrungen durch die Nutzung sonder-pädagogischer Angebote, Kennenlernen sonderpädagogischer Unterstützungsmöglichkeiten wie die nonverbalen Kommunikations-möglichkeiten.

Für Schülerinnen und Schüler der Förderschule

  • Die Stärkung  des Selbstbewusstseins und des Selbstwertgefühls durch das Grundschulumfeld
  • Die Erfahrung und Erkenntnisse neuer Maßstäbe und Normen aus einem sicheren  „ Schonraum“ der Förderschule heraus
  • Die Förderung der eigene Leistungsbereitschaft durch neue  „Vorbilder“
  • Die Förderung der sozialen Kompetenzen z. B. angemessene Kontaktaufnahme, Annehmen von Hilfen , Verbesserung des Regelverständnisses und Entwicklung von Konfliktlösungsstrategien
  • Der Erwerb  sprachlicher Kompetenzen


4. Konzept

In dem Konzept „Kooperationsklassen an der Grundschule Edewecht“ werden weitere Aspekte der Zusammenarbeit beschrieben.

 

 

           3/2014